Nach dem Unabhängigkeitskrieg haben zwei Merkmale die bolivianische Geschichte geprägt: Die Bedeutung der Minen für die Wirtschaft und der Verlust von Territorium durch Grenzkonflikte. Nachdem Silber während der Kolonialzeit die größte Bedeutung für die Wirtschaft hatte, war diese zur Unabhängigkeitszeit von Zinnexporten abhängig. Diese rohstoffabhängige Wirtschaft brachte dem Land schwere finanzielle Probleme, die auch zu politischen Schwierigkeiten führten. Putsche und immer wieder neue Verfassungen prägten den politischen Alltag.
1963 hatte die bolivianische Regierung im Streit um die Nutzung von Nitratvorkommen bei Meijillones auf bolivianischem Territorium dem stärkeren Nachbarn Chile nachgegeben. In den 60er Jahren entwickelte sich dann an der Pazifikküste in der Atacamaregion, die zu Bolivien gehörte, ein Boom von Guano- und Nitratabbau. Außerdem war in der Nähe, bei Carracoles, Silber gefunden worden. 1878 begann der Salpeterkrieg mit Chile (1878-1884), in dessen Folge Bolivien seine Küstenprovinz Antofagaste (Salpetervorkommen) an Chile verlor und zum Binnenstaat wurde.
In weiteren Kriegen mit Brasilien und Paraguay verlor Bolivien große Teile seines Territoriums. Bis 1938 verminderte sich dadurch das bolivianische Staatsgebiet um die Hälfte.